Selbstständig als Grafikdesignerin: Claudia erzählt.

Claudia lebt in Berlin und arbeitet seit 15 Jahren als selbstständige Grafikdesignerin. Ihr Weg dorthin war nicht ganz gerade aber doch bestimmt. Heute bereut sie den Schritt in keinster Weise und hat eine klare Definition von Selbstständigkeit.

Wie auf dem Foto unten zu sehen war ich schon in meiner Kindergartenzeit immer am Zeichnen. Zuhause sortierte ich meine Buntstifte zu Farbgruppen und malte Tapeten für das Puppenhaus.

Mit 16 wollte ich Mode-Designerin werden. Nachdem die Hamburger Modeschule mir mitgeteilt hatte, dass ich zu jung wäre aber gerne in ein paar Jahren noch mal nachfragen könne, gründete ich mein Modelabel. Die selbstentworfenen und -genähten Klamotten verkaufte ich an meine Freundinnen – meine erste „Selbständigkeit“. Das Modelabel hieß Copsy Cat – Gewinnmarge = Null.

Um die Kleidung besser zu verkaufen, Bildmaterial für die Aufnahme in der Modeschule zu haben oder rein zum Spaß - der exakte Grund lässt sich nicht mehr verifizieren, jedenfalls fing ich an meine Kollektionen zu fotografieren. Als Models mussten dabei meine Freundinnen ran.

Meine Karriere als Mode-Designerin war obsolete und ich ging nach Berlin um eine Ausbildung zur Fotografin am Lette Verein zu machen. Gleich nach meiner Ausbildung startete die zweite Etappe meiner Selbständigkeit – Portrait- und Modefotografie.

Leider mit Kunden ohne Budget, aber mit tollen Kollektionen und Ideen.

Claudia war schon im Kindesalter kreativ.

Claudia war schon im Kindesalter kreativ.

Wie bin ich selbständige Grafikerin geworden?

Die Grundlagen der Gestaltungslehre lernte ich bereits auf der Fachoberschule mit dem Schwerpunkt Design. Durch Zufall bin ich, ein paar Jahre nach meiner Ausbildung im Lette Verein, auf einen weiterführenden Kurs, Digital Publishing, gestoßen und habe mich angemeldet. Jetzt brauchte ich Geld um den Kurs abzubezahlen und habe, als eine der besten Absolventinnen, eine Festanstellung in einem Grafikbüro angenommen. 

Kurz danach kam das Internet: Neu und interessant und es musste gestaltet werden. Web- und Screen-Design wurde hochinteressant für mich, neben meinem Job las ich zuhause Bücher über HTML und den Aufbau von Webseiten. Die erste Seite, die ich fast alleine programmierte und gestaltete hieß DIGITAL MUTATIONS und ging 1998 live. Die Seite beinhaltete eine Online-Galerie, in Kooperation mit meinem Mann, auf der wir internationale Digital Artists ausstellten. 

Anfang 2000 wechselte ich vom Print- zum Screen-Design in ein Start-Up, wo wir ein deutschsprachiges Jugendportal  entwickelten und betreuten – die Innovation…dachten wir. Nach einem Jahr zogen sich die Investoren zurück und wir standen alle vor der Tür. Auch die folgende Festanstellung in einer Kommunikations-Agentur währte nur ein Jahr. Die Insolvenz spülte uns wieder vor die Tür.

Das war dann der endgültige Startschuss in meine Selbständigkeit.

Wo kommen überhaupt die Kunden her?

Über Kontakte und Kontakte von Freunden erhielt ich die ersten Jobs. Anfangs arbeitete ich von zu Hause, das Gästezimmer wurde in ein Arbeitszimmer umfunktioniert. Ein großer Verlag, für den ich Kinder- und Jugendmagazine gestaltete und grafische Konzepte entwickelte, forderte meine Arbeitszeit voll und ganz ein. Langsam merkte ich dass ich unter Selbständigkeit etwas anderes verstehe. Die Arbeit für den Kunde fing an mich zu langweilen – ich hatte das Gefühl unkreativ zu sein. Wir trennten uns, für mein Portemonnaie ein finanzielles Disaster, aber für meine Kreativität der richtige Schritt.

Mir fiel die Decke auf den Kopf und ich wechselte in ein Gemeinschaftsbüro und damit kamen die unterschiedlichsten Aufträge. In den Jahren zuvor hatte ich kaum Zeit über den Tellerrand zu blicken oder für Akquise, wobei das auch wirklich nicht mein Ding ist.

Langsam baute ich mir einen neuen Kundenstamm auf, diesmal recht breit gefächert: Gastdozentin in der Erwachsenenbildung am BFW, Ideen und grafische Konzepte für eine Agentur die APPs entwickelt, Grafik und Layout für einen Medizin Verlag, Papeterie Produkte und Corporate- und Editorial-Design für kleine und mittelständige Unternehmen und Vereine und ab und zu auch Webseiten.

Unseriöse Angebote lernte ich nach einiger Zeit abzublocken, es gibt immer wieder Kunden die versuchen Leistungen für umsonst zu erschleichen. Gewinnbeteiligung, Bezahlung in Naturalien oder das generöse Zugeständnis „was tolles fürs Portfolio“ zu haben bis hin zu Ratenzahlung. Man lernt mit der Zeit abzuschätzen ob man sich darauf einlassen will. Ich habe mich dagegen entschieden, wenn die Zusammenarbeit nicht auf Augenhöhe läuft, passen Kunde und ich nicht zusammen. Ich gönne mir den Luxus lieber wenige aber dafür interessante Aufträge anzunehmen –  genau das bedeutet für mich Selbständigkeit, zu entscheiden für wen ich arbeite.

Das heißt nicht, dass ich Müßiggang habe. Wenn Zeit ist, gehe ich zu Design Events, ich bilde mich weiter, meistens online oder besuche einen Zeichenkurs. So entstand letztes Jahr ein Kalender im DIN A2-Format, den ich als Weihnachtsgeschenk an meine Lieblingskunden verschickte. Daraus ergab sich eine Mitgliedschaft bei society6, nicht dass ich dort bis jetzt jemals was verkauft hätte – aber das Wichtigste und das Schönste an der Selbständigkeit ist neben Kreativität die Lust immer wieder Neues auszuprobieren. Für Bereiche offen zu sein die weit weg zu sein scheinen von dem was man sonst so macht um dann festzustellen das sich eine weitere Tür öffnet. 

Selbstständigkeit ist keine halbe Sache

Oft höre oder lese ich, dass sich Jemand nebenberuflich selbständig machen möchte. Ich verstehe die Angst vor dem Scheitern und die Panik die Sicherheit einer Festanstellung aufzugeben. Ich selbst wurde in die Selbständigkeit entlassen, es gab die Überlegung nicht es nebenberuflich zu versuchen. Mit dem Schritt in die Selbständigkeit bürdet man sich sehr viel Arbeit auf, die, wie ich glaube, kaum als Nebenjob zu erledigen ist. Es gehört eine große Portion Selbstvertrauen, Durchhaltevermögen und Leidenschaft dazu auch dann weiter zu machen wenn kaum ein Lichtstreifen am Horizont zu erkennen ist. Die Belohnung kommt in Form von Erfolg, dankbaren Kunden und der Bestätigung alles richtig gemacht zu haben.

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